Das Usenet stirbt langsam vor sich hin…

Heute wieder eine Meldung bei Heise.de:

Usenet-Keimzelle geht vom Netz

Einige der Jüngeren werden sich wohl fragen „was bitte? – Usenet?  – welche Webadresse hat das denn?“
Ich will mal versuchen, die wichtigsten Fragen dazu zu beantworten:

Nein, das hat keine Webadresse.
Nein, das ist nix für Klickibuntis.
Nein, dort kommuniziert man im Plain-Text.
Ja, das ist sowas wie ein großes weltweites Diskussionsforum.
Ja, man sagt auch Newsgroups zu den Usenet-Foren.
Ja, einen Usenet-Server kann man auch Newsserver nennen.
Ja, dort wurde die Internet-Netiquette geboren.
Ja, dort gibt es Regeln.
Nein, das geht nicht so einfach im Webbrowser, man benötigt dazu einen Newsreader.
Ja, das geht mit Thunderbird, Opera oder auch (ich sags nur ungern) mit Outlook Express.
Ja, auch Dein Provider sollte noch einen eigenen Newsserver betreiben.
Ja, es gibt frei verfügbare Newsserver auf die man sich verbinden kann.

Ich selbst habe das Usenet so um 1990 herum kennengelernt als ich meine ersten Schritte im Internet machte – textbasiert  und noch bevor das WWW, das bunte Web wie man es heute kennt, entstand. Ich kam damals aus der Mailboxszene der 80er Jahre, wo es schon diverse Diskussionsboards gab, hatte in den 80ern schon  BTX daheim und machte da schon Online-Banking und die ersten Chats und kam dann über berufliche Recherchen zum Theme AIX, Unix, Windows, X-Windows usw. auf das Usenet.
Ich war jetzt nie so ein richtiger Usenet-Freak, aber ich schrieb so Ende der 90er doch auch einiges da drin. Meine Standard-Groups waren vor allem mit Computerthemen behaftet, habe damals die Dramatik um die security.firewalls miterlebt, als die „Großen der Szene“ sich über die Desktop-Firewalls ausliessen und vor allem der Standardspruch „Wenn Du  nicht weißt, was das ist, dann brauchst du das auch nicht“ die Runde machte 🙂
Ich hab mehr gelesen als geschrieben, aber bei den Umgangsformen dort war es manchmal auch besser so. Zumindest in bestimmten Gruppen musste man schon sehr tief in der Materie stecken um als Schreiber anerkannt zu werden.
Whatever.
Schliesslich führte ich in unserer „Unternehmensgruppe“ auch einen eigenen Newsserver mit eigenen Intranet-Newsgroups ein, den Hamster. Wir diskutierten heiß und viel, benutzten die Groups auch als Entwicklungsumgebung für neue Software-Projekte oder zum Erfahrungsaustausch der Admins an den unterschiedlichen Standorten. War klasse. Bis dann halt – wie so oft- eine gewissen Eigenbrödlerei einsetzte und so mancher keine Infos mehr freiwillig herausgeben wollte. Schade – aber so kam es dann dazu, dass mein guter alter Hamster dann unbenutzt vor sich hin hamsterte und schliesslich im letzten Jahr abgeschaltet wurde.

Ansonsten guck ich noch unregelmässig in diverse Computergruppen rein, da ich aber im Büro jetzt meinen Thunderbird gegen Outlook eintauschen musste (wegen dem fehlenden Exchange-Zugriff), bin ich da jetzt ein bisschen gehandicapt… aber das ist ein anderes Thema, das noch auf Veröffentlichung wartet.

Und heute? Was ist das Usenet heute?

Ja, noch gibt es die guten alten Newsgroups. Aber die haben nun absolut nichts mit Twitter, Facebook oder RSS zu tun, wie in dem Heise-Artikel dargestellt. Nein, das ist nun etwas absolut anderes.

Um heute die Newsgroups nutzen zu können, benötigt man am besten einen Reader, z.B. den Thunderbird, wenn man den vielleicht schon ohnhin für seine Mails einsetzt. Dort richtet man sein News-Konto ein – den Newsserver – und abonniert dann enstprechend die Gruppen.

Einen ausführlichen Artikel dazu findet man natürlich bei Wikipedia, so dass ich mir eigentlich weiteres dazu sparen kann. Ich finde ja, man muss nicht alles doppelt und dreifach schreiben.

Wer das Usenet nicht kennt, hat vermutlich nicht mehr allzuviel Zeit, es noch kennenzulernen. Ich schätze, in spätestens 5 Jahren wird es keinen einzigen Usenet-Server mehr geben.
Allerdings sollte ich auch noch erwähnen, dass das Usenet nicht nur toll und ohne Probleme war. Es gab und gibt auch die Schattenseiten dieses Dienstes, wie illegale Tauschbörsen, oder die Möglichkeit, illegale Inhalte herunterzuladen. Dadurch ist das gesamte Usenet, das durchaus sehr nützlich ist und war, nach meiner Ansicht zu Unrecht in einen etwas zwielichtigen Ruf geraten.

Trotzdem, da ich das Usenet wirklich nur für „gute Zwecke“ genutzt habe, darf ich eine kleine Träne vergiessen…

Ich sag leise Servus … tschüss Usenet – Du warst klasse!

.

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kleiner Nachtrag – scheinbar bin ich nicht der Einzige, der aufgrund dieser heutigen Meldung ein wenig in Erinnerungen schwelgt…
Verstoerer-Blog
Übrigens – nein, ich habe kein Twitter, les auch dort nix, habe kein Facebook-Account, les dort auch nix – und ich will das auch nicht.
Kann schon sein, dass ich zu alt bin für ….. 😎

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10 Gedanken zu “Das Usenet stirbt langsam vor sich hin…

  1. Michael 25. September 2010 / 13:31

    gute alte Zeiten… oder noch mehr oldschool sind die BBS boxen 😉

  2. Stefan 15. Januar 2011 / 17:42

    so einen schwachsinn hab ich ja lang nicht mehr gelesen 😄 schonmal was von solchen sachen wie zb usenext gehört? oh nein, die server werden ganz bestimmt nicht verschwinden, ich lach mich weg^^

    • Jürgen 17. Januar 2011 / 09:27

      Soso, Schwachsinn? Nur gut, dass Du den Unterschied zwischen Usenet und Usenext kennst. Oder vielleicht doch nicht?
      Nun, Usenext ist ein Provider, der den Zugang zum kostenfreien Usenet für Geld anbietet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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