Gedanken zum Datenschutz und überhaupt…

Derzeit kocht das Thema „Datenschutz“ eigentlich überall ein wenig hoch. Im TV, in Blogs, in Zeitungen oder auch in Gesprächen geht es vermehrt um Datenmissbrauch, Datenspeicherung und alles was dazugehört.

Da passte die Demo „Freiheit statt Angst“ vom letzten Wochenende sehr gut dazu.  Da passt die Piratenpartei gut dazu. Da passt die ganze Diskussion um Internetzensur und -Sperren der letzten Monate gut dazu. Und und und. Und es passt auch ganz gut die bevorstehende Wahl dazu.
Vielleicht hat aber auch gerade die intensive Diskussion und die Protestwelle gegen die geplanten Internetsperren genau das ausgelöst:  ein sensibleres Umgehen mit dem Thema Datenschutz und Datenschlamperei.

Ich habe inzwischen sehr stark den Eindruck, dass sich das im letzten halben Jahr alles immer mehr gesteigert hat. Die E-Petition gegen das Zugangserschwerungsgesetz hat erstmals eine neue Gruppierung zusammenwachsen lassen. Daraus entstand letztendlich ja auch irgendwie die Piratenpartei, die sich genau für diese Dinge einsetzt – und es geht weiter – damit ist noch lange nicht Schluss. Hammermäßig natürlich, dass genau bei einer Demo der besorgten Bürger, die sich  um ihre Daten und um den Überwachungsstaat Sorgen machen, ein Zwischenfall mit der Polizei stattfand, der auch noch ausgerechnet – und interessanterweise auch zum erstenmal überhaupt – von den Demonstranten auf HD-Video gefilmt wurde und die Gesichtsidentifizierung der beiden Prügelpolizisten ermöglicht.

Hier werden Meilensteine der Geschichte gelegt – und schuld ist nach meiner Auffassung unsere Zensursula, die den Stein ins Rollen brachte. Vielleicht sollten wir ihr gar noch dankbar sein dafür?!.

Gestern nacht zappte ich zufällig noch in eine interessante Reportage bei DMAX. Der neue 7er BMW wurde vorgestellt – als ein Auto, vor dem man Angst haben müsse. Alles fängt ganz harmlos an, der Reporter und Fahrzeugtester hat seinen Autoschlüssel verlegt…. ein Anruf per Handy bei der Hotline, zwei Sicherheitsfragen beantwortet und schon wird das Auto remote aufgeschlossen. Per Funkbefehl. Starten könnten sie es auch remote – dürfen es aber nicht. *grusel*

Wie geht das? Ganz einfach. Eine fest eingebaute Handy-Funknetzkarte ermöglicht den ständigen, direkten und großteils automatischen Datenaustausch mit der „Werkstatt“, also mit BMW. Soweit so gut. Oder eher soweit so schlecht.
Aber es kommt noch schlimmer.

Über den eingebauten GPS-Chip ist nicht nur eine Ortung des Fahrzeuges möglich, nein, hier ist Tracking angesagt. Und zwar keine Momentaufnahmen – sondern wie in dem Bericht getestet, tatsächlich Datenspeicherung, -aufzeichnung und die Möglichkeit der späteren Auswertung.
Der Tester ist z.B. zu einer Kirche gefahren – anschliessend weiter und wollte dann nach 10 Minuten von der Hotline wissen, bei welcher Kirche er da vorhin war….. und sie konnten es ihm tatsächlich sagen!   Fazit des Reporters: „Kein Auto für mich – Big Brother is watching you“.

Das Ganze nennt sich übrigens „Connected Drive“ …. klingt gut – ist aber gruselig.

Automatische Nachrichten an die Werkstatt, wenn der Motor zu heiß wird oder sonstige Defekte auftreten, sind dann nur noch Nebensache, aber Realität! Ebenso wie die automatische Absetzung eines Notrufs bei Unfall mit Angabe der Positionsdaten. Pillepalle im Vergleich zu den anderen Daten, die hier an BMW gehen.
Halt!
An BMW?
Nun ratet mal, wer der Partner ist, der die Mobilfunksache abwickelt…..  genau – die Telekom übermittelt die Daten! – Applaus!

Da passt es ganz gut, dass das BSI, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, heute seinen Quartalslagebericht zur IT-Sicherheit (PDF) veröffentlicht hat. Dabei kommt Google mal wieder schlecht weg (übrigens auch bei Lothar im Blog… ).  Zitat Heise Online: „Die Experten des BSI-Lagezentrums raten von der Verwendung der Plattform zur webbasierten Kommunikation ab. Da alle Google-Wave-Daten auf Google-Servern liegen, gelte dieselbe Kritik, die von Datenschützern und dem BSI an Mail, Docs, Calendar und anderen Online-Diensten des Unternehmens geübt wurde: Der Nutzer verliert vollständig die Kontrolle über seine Daten.“

Und gestern les ich noch irgendwo, als es um Verschlüsselung und Sicherheit ging, dass da einer mit GMail völlig zufrieden ist. *lach* …. klar – solange seine Daten nur gesammelt werden, merkt er es ja nicht.

Ich selbst bin da ja anders. Meine Daten bekommt nicht jeder. Ich pass drauf auf – so gut es geht – auch wenn ich hier blogge und auch wenn z.B. in einer echt starken Rede auf der Demo am vergangenen Wochenende mal dargelegt wird, wie offen sich sehr viele der „Möchtegerndatenschützer“ (ich muss das einfach mal so bezeichnen) in ihren Blogs, den ganzen Social Networks oder bei Twitter geben. Auf der einen Seite nach Datenschutz schreien, auf der anderen Seite von sich aus dafür sorgen, dass ihr Leben getrackt werden kann. Nee oder?
Ich pass schon auf, dass ich hier nicht zuviel verrate – aber was wahr ist, darf man sagen – und dann auch schreiben.
Wir leben in einem freien Land.
Noch jedenfalls.
Äh.
Tun wir doch, oder?

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