Ein Lacher am Morgen…

Als ich heute morgen so die Nachrichtenschlagzeilen überflog, musste ich erstmal herzhaft lachen. Unsere Familienministerin, die Laienministerin, Zensursula, hat neue Pläne! Ganz neu. Sowas gabs ja noch nie…. ein Verhaltenskodex im Internet – für soziale Netzwerke, Chats und Foren….. ja sowas…..

Okay, Frau von der Leyen… das gibts seit vielen Jahren schon und nennt sich „Netiquette“. Selbige wird von allen Forenadministratoren, Chatmoderatoren und den Betreibern von Social Networks als Grundlage herangezogen und Verstöße werden in den meisten Fällen auch geahndet oder von den Admins unterbunden. Und ich weiß schon, wovon ich da rede, denn schliesslich bin auch ich Betreiber eines Chats und Forums und wir achten im Team von Anfang an auf die Einhaltung der Netiquette.

Dass diese Netiquette weiterhin aufrecht erhalten werden muss und auch unseren Kindern nahegebracht werden muss, das versteht sich von selbst  und wird auch auf so gut wie jeder Kinderschutzseite im Netz propagiert! Dazu brauchts sicher keine neuen Gesetze – und darauf wird es ja hinauslaufen, wie wir Zensursula kennen.

Worum gehts Frau von der Leyen? Natürlich wieder um Wahl-Propaganda, was sonst.
Es ist aber auch ein weiterer Schritt dahin, Dinge die im Internet für die Internetbenutzer seit vielen Jahren selbstverständlch sind und gewissermaßen auf einer freiwilligen Basis eingehalten werden, politisch zu instrumentalisieren und vor allem politisch zu kontrollieren und festzunageln. Bisher wurden ja nur die „normalen Bürger“ für dumm verkauft und unser Leben ausserhalb des Internet – das reale Leben – durch Gesetze, Gebote, Verbote, Regeln, Steuern und alles mögliche – eingeschränkt und von oben bestimmt. Jetzt geht man mehr und mehr dazu über, das grausame freie Internet ebenfalls kontrollieren zu wollen.

Nur leider versteht kaum einer der Politiker, was das Internet wirklich ist, oder wie es funktioniert. Ein schönes Beispiel dafür, dass das Gerede von den „Internetausdruckern“ nicht nur Gerede ist, sondern doch einen wahren Hintergrund hat, zeigt  Fefe in einem aktuellen Blogeintrag. Eine URL wird  hier nicht angeklickt oder kopiert sondern offensichtlich ausgedruckt und dann fehlerhaft eingetippt – was zu einem Fehler „404 – Seite nicht gefunden“ führt. Irre.

Zurück zur Laienministerin. In einem Interview bei RP-Online kann man einige uninteressante Aussagen von der Frau lesen.

Zitat:

In der Auseinandersetzung um die Sperren gegen Kinderpornographie im Internet haben Sie gegen junge Leute kämpfen müssen, die ein freies Internet fordern, wie ernst nehmen sie diese Bewegung?

von der Leyen Ich nehme sie politisch und menschlich ernst und begrüße ihr Engagement. Ich bleibe aber bei meiner Position, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Freiheit der Massenkommunikation Grenzen hat, wo die Würde anderer Menschen verletzt wird. Bilder vergewaltigter Kinder im Internet können nicht toleriert werden.

Ja klar… sehr ernst nimmt sie uns, ignoriert aber alle Argumente und Fakten gegen Ihre eigene Meinung. Klar hat sie recht, das Internet ist kein rechtsfreier Raum (ein Euro fürs Phrasenschwein) und und und…. aber darum gehts ja nicht. Das bestreitet auch niemand. Es geht um das WIE…  und da sagen wir halt „Zensur nutzt nix“ und „Löschen statt verstecken!“.
Ihre Äusserungen sind ein Schlag ins Gesicht für alle „Netzaktivisten“.

Naja, und dann das hier:

Zitat:

Sehen Sie weitere Felder, wo Kinder und Jugendliche im Netz besser geschützt werden müssen?

von der Leyen Ja, bei den sozialen Netzwerken im Internet, die Jugendliche gerne nutzen. Ich möchte gemeinsam mit den Verantwortlichen solcher Kommunikationsforen, aber auch mit der Kompetenz der Jugendlichen einen Verhaltenskodex entwickeln. Es geht um achtsamen und wachen Umgang miteinander. Minderjährige müssen beispielsweise wissen, dass sich Erwachsene mit üblen Absichten in ihre Chats einschleichen können. Sie können soziale Kompetenzen im virtuellen Miteinander ebenso erwerben wie im realen Leben. Mobbing im Netz kann nicht toleriert werden. Respektvoller Umgang muss in Chats, blogs oder Foren so selbstverständlich sein, wie wir das auch im Schulalltag mit Streitschlichtern oder Vertrauenslehrern einfordern.

Also zunächst entspricht das, was sie jetzt „verwirklichen“ will der Netiquette, die es seit Jahren schon gibt. Von daher ist das reines Wahlkampfgetöse und ein weiterer Schritt auf dem Weg, sich selbst als tolle engagierte Ministerin darzustellen.
In der Schule kann sie das aber gerne einfordern – da ist noch viel mehr Potential vorhanden. Ich will das gar nicht so ausführlich darstellen, dazu gibt es einen sehr aussagekräftigen Blog von J. Moellenkamp.

Alles in allem also wieder viel heiße Luft um Dinge, die es eigentlich schon gibt. Natürlich gibt es dazu noch kein Gesetz. Das brauchten wir im Internet bisher auch nicht. Brauchen wir es jetzt? Wirklich? Warum?

Weitere Blogs und Artikel dazu:

Spiegel Online: Von der Leyen fordert Benimm-Regeln

Fieser Admin – Blog

Netzpolitik.org – Blog

unkreativ.net – Blog

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